Grußwort von Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit

Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit
Die weltweite Wirtschaftskrise wirkt sich massiv auch auf Deutschland
und den deutschen Arbeits-markt aus: Nach dreieinhalb Jahren sind die
Arbeitslosenzahlen Ende 2008 saisonbereinigt erstmals wieder gestiegen,
die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften geht seit elf Monaten
kontinu-ierlich zurück und es wurde allein in diesem Jahr bereits für
1,7 Millionen Menschen Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen
angemeldet. Entlassungen in größerem Umfang sind für die zweite
Jahres-hälfte zudem nicht auszuschließen.
Gehen wir gedanklich aber ein bis zwei Jahre zurück, zeichnet sich ein
anderes Bild: In Deutschland stieg die Nachfrage nach Fachkräften; die
Wirtschaft sprach sogar von Fachkräftemangel. Und obwohl die
Arbeitskräftenachfrage derzeit insgesamt sinkt, fehlen in einigen
Branchen immer noch qualifizier-te Kräfte. Wird die Wirtschaftskrise
überstanden sein, könnte uns ein auch durch den demografischen Wandel
weiter wachsender Fachkräftemangel als große Hürde auf dem Arbeitsmarkt
drohen.
Deshalb ist es richtig und wichtig, dass Unternehmen in der derzeitigen
Krise zum einen ihr qualifizier-tes und gut eingearbeitetes Personal
nicht entlassen und gegebenenfalls mit Kurzarbeit halten, und zum
anderen jetzt die ausgefallene Arbeitszeit dazu nutzen, ihre
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu qualifizieren. Auf diese Weise
können Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen in ihre Zukunft
investieren. Unternehmen können sich für den Aufschwung rüsten und
damit sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen, wenn sie langfristig
auf eine konkurrenzfähige Mitarbeiterschaft setzen können. Andererseits
können Arbeitnehmer durch Qualifizierung ihr Risiko senken, langfristig
arbeitslos zu werden.
Um Unternehmen und Arbeitnehmern die berufliche Weiterbildung in dieser
wirtschaftlich schwierigen Zeit zu ermöglichen, haben Bundesregierung
und Bundesagentur für Arbeit verschiedene Maßnah-men auf den Weg
gebracht. So wurde nicht nur die mögliche Bezugsdauer des
Kurzarbeitergeldes verlängert. Es wurden auch die Rahmenbedingungen
erweitert, um aus Beitrags- und EU-Mitteln die berufliche Weiterbildung
von Arbeitnehmern finanziell unterstützen zu können. Je nach
Förderpro-gramm können Lehrgangskosten anteilig oder ganz erstattet
werden. Ergänzend können Arbeitgeber durch Übernahme der
Sozialversicherungsbeiträge in voller Höhe weiter entlastet werden.
Darüber hinaus wurde das Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter
und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ - kurz „WeGebAU“
- geöffnet, so dass nun auch die Weiterbildung qualifizierter
Arbeitnehmer – unabhängig von der Größe des Betriebes – gefördert wird.
Die Änderungen bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen zur
Qualifizierungsförderung Beschäftig-ter allein reichen aber nicht aus.
Es bedarf auch geeigneter Weiterbildungsangebote am Markt, damit
Arbeitnehmer an beruflicher Weiterbildung teilhaben können.
Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftigte müssen sich verstärkt an den
Rahmenbedingungen und Bedürfnissen der zu Schulenden orientieren.
Modularisierte Angebote bieten den Beschäftigten deut-lich mehr
Möglichkeiten, sich passgenau und zielgerichtet zu qualifizieren.
Gerade für Beschäftigte oder Bezieher von Kurzarbeitergeld werden
zeitlich flexible Bildungsangebote benötigt.
Hier sind Sie als Vertreter der Träger der beruflichen Weiterbildung
gefragt. Wenn es Ihnen jetzt ge-lingt, ein auf die Bedürfnisse der
aktuellen Situation zugeschnittenes Bildungsangebot zu schaffen,
leisten Sie nicht nur einen Beitrag, um lebenslanges Lernen zu
ermöglichen. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag, um aus der
derzeitigen Krise Nutzen für die Zukunft der Beschäftigungssituation
und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu ziehen.
Nutzen Sie die Chancen, die sich jetzt in der Beschäftigtenförderung
bieten. Unterstützen Sie die Un-ternehmen bei der Planung und
Organisation der Weiterbildung ihrer Beschäftigten und helfen Sie mit,
die Arbeitnehmer für Qualifizierung zu motivieren. Übernehmen Sie
Mitverantwortung für eine erfolg-reiche Qualifizierungsoffensive.
Ich wünsche Ihnen für den Verlauf der Veranstaltung ein gutes Gelingen.